Drama, Tanz und Musik sind untrennbar miteinander verbunden. Nach dem Glauben der Inder ist der Tanz älter als die Erde, denn Gott Shiva, der kosmische Tänzer, war von Anbeginn, und er steht für die Energie, die alles erschafft, verwandelt und belebt. Die Statue des tanzenden Shivas, auch Nataraja genannt, kann man überall in Indien sehen. Der Tanz ist somit eine heilige Handlung und beginnt auch immer mit einer Anrufung Shivas. Deshalb wurden diese Tänze auch jahrhundertelang nur in Tempeln zum Entzücken der Götter getanzt.
Die Devadasis, die Dienerinnen der Götter, waren speziell aus-gebildete Tänzerinnen, die als kleine Mädchen dem Tempel geweiht wurden und ein asketisches Leben führten. Mit dem Niedergang der Religion wurden die Devadasis zum Spielzeug für reiche Maharajas und britische Kolonialherren. Sie gerieten in den Ruf einer Prostituierten und der Tanz wurde verweltlicht.
Der klassische indische Tanz besteht
aus drei grundlegenden Teilen:
Natya: Die Verbindung von Tanz
und Schauspiel.
Nritta: Reiner Tanz, der reine Technik zeigt, Rhythmen,
verschiedene
Stellungen, Fußtechniken darstellt.
Nrtya: Vermittelt eine Stimmung
und erzählt eine Geschichte oder ein ganzes Drama. Augen und Augenbrauen, Hände und Finger, Hals und Füße - der gesamte Körper wird zum Mittel des Ausdrucks.
Mit der Auflehnung gegen die Entfremdung durch den britischen Kolonialismus setzte ab 1930 eine Renaissance des Tempeltanzes ein. Persönlich-keiten wie Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore, Jawarharlal Nehru und Tänzer wie Ram Gopal und Rukmeni Devi besannen sich auf das alte Erbe und belebten den Geist des indischen Tanzes neu. Es wurde nun auf der Bühne und im Theater getanzt, die durch den vollendeten Tanz eines grossen Tänzers zu einem Tempel wurde. Tausende von Menschen konnten nun das Ramayana, die Geschichte Shivas oder Krishnas Spiel mit den Gopis als Tanzdrama, begleitet von Musik und Gesang, erleben. Und der alte Glaube wurde wieder wach, dass der angerufene Gott selbst in dem Tänzer tanzt, indem dieser seine Mudras und Bewegungen darstellt.
Es gibt mehrere klassische indische Tanzstile, die sich an unterschiedlichen geographischen Orten Indiens entwickelten. Diese Tanzstile sind Bharata Natyam, Kathakali, Kuchipudi, Odissi, Manipuri, Mohini Attam und Kathak.
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